Jo. Franzke Architekten hat den Wettbewerb für die Planung und Realisierung eines Bürogebäudes für das Bankhaus Sal. Oppenheim gewonnen, das im Jahr 2007 den Geschäftssitz der Gruppe nach Luxemburg verlegt hatte. Der Bauplatz liegt auf dem Kirchberg-Plateau, in unmittelbarer Nähe des Gebäudes der Deutschen Bank von Gottfried Böhm. Ziel des geladenen Wettbewerbs war es, ein im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit, Ökologie und Ergonomie vorbildliches Gebäude zu entwerfen und den repräsentativen Ansprüchen des Bankhauses gerecht zu werden. Dem Entwurf des Büros Jo. Franzke Architekten setzte sich vor den Beiträgen der Büros Erick van Egeraat Associates, Rotterdam (2. Preis) und KSP Engel und Zimmermann, Frankfurt am Main (3. Preis) durch. Weitere Teilnehmer waren Weisgerberarchitecte SA & BRT Architekten und Massimiliano Fuksas.
Erläuterungstext
Laut Auslobung sollte das Bürogebäude als Quader mit einem überdachten Atrium ausgebildet werden. Diese Vorgabe bildet die Grundlage für ein weiterentwickeltes innerräumliches Gestaltungskonzept, das parallel zu dem Landschaftsplan von Arend & Thill entwickelt wurde. Das Gebäude stellt mit seiner kubischen Geometrie klare städtebauliche Bezüge her. Der klassische Typus des geforderten, innen liegenden Atriums würde jedoch jeglichen Bezug nach außen negieren. Aus diesem Grund wird die Introvertiertheit des Atriums in einen zu dem Landschaftskonzept passenden Raum transformiert. Es wird eine Art „hybrides Atrium“ vorgeschlagen, das eine Verzahnung mit der Umgebung ermöglicht. Die mit großen Fenstern versehenen, gleichsam in die Höhe gestämmten Gärten sorgen für eine landschaftsräumliche Vernetzung mit dem Außenbereich und lockern die strenge, steinerne Fassade optisch auf. Auf diese Weise werden die aus dem Landschaftskonzept entwickelten „Grünen Plätze“ im Entwurf aufgegriffen und innerhalb des Gebäudes weitergeführt. Sie sorgen für ein landschaftsräumliches Kontinuum mit der innerstädtischen Grünen Lunge des Reimerwee-Parks. Das Atrium formiert im Erdgeschoss einen Raum, der öffentlich genutzt wird und der als Ort für Veranstaltungen und Ausstellungen sowie durch seinen witterungsgeschützten Restaurantaußenbereich als multifunktionale Fläche ausgebildet ist. Dieser Marktplatz bildet das kommunikative Zentrum aller im Gebäude Beschäftigten. Von diesem Bereich aus entwickeln sich die nach oben versetzten Gärten und Terrassen, die ebenfalls dezentral mit verschiedenen Funktionen belegt werden können (Lounge, Präsentationen, temporäre Arbeitsplätze, Pausenzonen, Wintergärten). Die hochgestämmten Gärten finden ihren Abschluss in einer diagonalen Terrasse, die sich im 5. Stock befindet. Diese kann als Außenterrasse für die Geschäftsleitung und als VIP-Lounge für den Konferenzbereich genutzt werden. Sie wird von einem „Glashimmel“, einer komplett aus Glas konzipierten Dachkonstruktion überspannt.
Begründung der Jury
Integration in den städtischen Kontext
Durch seinen rigorosen und kraftvollen Kubus setzt das Projekt an der wichtigen Stelle zwischen Boulevard Konrad Boulevard und der Avenue JF Kennedy einen schon von der Ferne wirksame, städtebaulichen Eckpunkt.
Architektonische und bauliche Qualität
Das Projekt überzeugt durch sein vielschichtiges Innenleben und die hohe Flexibilität der Räume. Der Gegensatz zwischen rigidem Grundriss und der räumlichen Entfaltung des Atrium ist überzeugen gelöst. Die relativ rigide Fassade lebt von der hohen Ausführungsqualität, auf die auch im Laufe der Realisierung große Sorgfalt verwendet werden sollte. In einem nächsten Schritt sollen die natürlichen Beleuchtungsverhältnisse in Bezug auf die Flächen unterhalb des diagonal verlaufenden Riegels überprüft werden.

