Wenn Architekten träumen dürfen

In der Sommerserie "Wenn Architekten träumen dürfen" der Rhein-Main-Zeitung ist am 2. August 2010 ein Beitrag erschienen, der einen Vorschlag von Jo. Franzke Architekten zur Umgestaltung der Frankfurter Hauptwache vorstellt.

An dieser Stelle stellen wir die Position des Büros zur Neugestaltung des Platzes vor:

Frankfurt leidet darunter, dass seine wesentlichen Plätze zu groß oder verschandelt sind. Der Goethe- und der Rathenauplatz verschmelzen mit dem Roßmarkt zu einer nirgendwo wirklich gefassten Fläche, die Konstablerwache ist durch ihr aufgeständertes Niveau als Platz nicht erlebbar, und die Hauptwache ist nichts als ein Abgang zu den U-Bahnen und den Souterrains der umliegenden Kaufhäuser. Die historische Hauptwache, im Laufe der Geschichte mehrmals verschoben, stellt eher eine überdimensionierte Platzmöblierung dar. Die Zeil endet schon an ihrem westlichen Punkt im Niemandsland. 

Der wichtige Knotenpunkt, an dem sich unterirdisch mehrere S- und U-Bahnlinien kreuzen, zeigt sich oberirdisch durch die zahlreichen Abgänge besonders unschön in dem Zugang von der Katharinenkirche aus und in dem einer Krokodilsgrube ähnelnden Abgang zur B-Ebene von der Biebergasse -- mit tendenziell unattraktiven Ladengeschäften und Gemüsehändlern.

Auch nach der Verlängerung der Fußgängerzone durch die Umwandlung der ehemaligen Durchfahrt von der Kaiserstraße in Richtung Eschenheimer Tor gleicht die Hauptwache weit mehr einem Korridor, als einem Ort mit Aufenthaltsqualität -- geschweige denn einem zentralen städtischen Platz.

Um die klaffende Lücke in der Stadt zu schließen, sollte der Abgang zur B-Ebene an der Hauptwache geschlossen werden. Dies wurde Mitte Juni 2010 auch vom Planungsdezernat bekräftigt. Der Abgang soll bis zum Jahr 2013 geschlossen werden, die neuen Auf- und Abgänge zum Öffentlichen Personennahverkehr sollen am Rand der Hauptwache untergebracht werden. Für die Neugestaltung der Platzoberfläche will man auf die Ergebnisse des Wettbewerbs aus dem Jahr 2000 zur Neugestaltung der gesamten Zeil zurückgreifen. Nach Entwürfen des Planungsbüros Chestnutt Niess soll ein mit Bäumen gefasstes Geviert als „Platz im Platz“ auf der Hauptwache an den historischen Paradeplatz erinnern. Den derzeit südlich der Hauptwache bestehenden Platanenreihen sollen zwei weitere hinzugefügt werden. Dort soll ein Café-Garten untergebracht werden.

Der vorliegende Entwurf schlägt eine Alternative vor:

Obwohl der Wunsch nach Grün in der Stadt zunächst nachvollziehbar zu sein scheint, wirkt die derzeit zur Diskussion stehende Lösung eher hilflos. Die Hauptwache erhielte auch nach der Umgestaltung nicht den Charakter eines zentralen Platzes, die Dimension entspricht noch immer nicht denen des menschlichen Maßstabsempfindens. Anstatt die Unbehaustheit des Platzes durch eine unangemessene Kleinteiligkeit und eine weitere Begrünung zu ersetzen, soll die Urbanität des Platzes gestärkt werden.

Um dem Platz eine angemessene Proportion zurückzugeben, sollte man der Biebergasse eine zweite Wand zugestehen und auf der nördlichen, derzeit unbebauten Fläche ein neues Gebäude errichten, das dem Platz städtischen Charakter verleiht.

Indem der Abgang geschlossen wird, entsteht eine neue, leicht angehobene Platzfläche, die zusammen mit der Hauptwache und dem neuen Stadtsaal einen „Platz auf dem Platz“ bildet. Durch diese Maßnahmen entsteht auf der großen Platzfläche ein intimer und im menschlichen Maßstab proportionierter Bereich.

Das Gebäude wird mit rechteckiger Grundfläche ausgebildet. Aus dieser Grundfläche entwickelt sich eine Freitreppe, die den Platz vor der Hauptwache zum gläsernen Schaft des Neubaus führt, dem Haupteingang des neuen Stadtsaals. Der Niveausprung wird über die Treppe harmonisch vermittelt.

Der in drei Teile -- Sockel-Schaft-Kapitell -- gegliederte Neubau könnte folgendermaßen genutzt werden: Während im Schaft Raum für die Erschließung und für ein Café ist, bietet das Kapitell Raum für große Veranstaltungen. Da Frankfurt in seiner Innenstand außer dem Römer keinen öffentlichen Saal besitzt, in dem Feste und Veranstaltungen stattfinden können, wäre hier die Gelegenheit, diesen Bedarf zu decken

Zur Biebergasse hin wird die Geste der Treppen nicht wiederholt. Stattdessen werden hier in den Sockel des Gebäudes in gleichmäßiger Folge Öffnungen eingeschnitten und die Abgänge zur U-Bahn und Raum für eine Ladennutzung positioniert.

Insgesamt schafft die Bebauung Ordnung in dem unübersichtlichen Durcheinander der Hauptwache. Der Platz zwischen dem Café in der Hauptwache und dem entlang der Biebergasse errichteten Neubau wird durch die Treppe auch einer Art Freilufttheater. Von den Rängen der Treppe aus könnten etwa Konzerte, Theaterstücke o.ä. verfolgt werden. Sie könnte aber auch ein Platz sein, von dem aus dem ganz alltäglichen Schauspiel städtischen Lebens gut beizuwohnen wäre.

Jo. Franzke Architekten
Jo. Franzke
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